Archiv

< zurück zur Auswahl

Dialog der Kulturen -Dialog der Religionen“ – Beitrag für die Zeitschrift der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte
Dr. Walburga Fischer-Gottlob, Juli 2000

„Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden“ hat Hans Küng in seinem Buch Weltethos formuliert. Damit ist zweifellos eine Grundgegebenheit benannt; sie speist sich aus der Tatsache , daß Religion für den Menschen von existentieller Bedeutung ist. Während Huntington den Zusammenprall der Kulturen (und Religionen) für unausweichlich hält, liegt Küngs Vorstellung ein anderes Konzept zugrunde: er hält gegenseitige Respektierung der Religionen für möglich und damit eine Basis für Religionsfrieden gegeben. Nachdem zunächst nur unter den christlichen Konfessionen in den „Ökumene“ genannten Bemühungen diese gegenseitige Anerkennung geübt wurde, gibt es inzwischen ähnliche Bestrebungen unter den Religionen. Sie erfordern aber gewisse Voraussetzungen: die Achtung der religiösen Bräuche und Werte der anderen Religionen, vor allem aber - ohne den Wahrheitsanspruch für die eigene Religion aufzugeben - die Zuerkennung des gleichen Ranges und ihre Verankerung in den Auffassungen der säkularen Gesellschaft.

In unserer bundesdeutschen Gesellschaft gibt es z.Zt. das merkwürdige Phänomen, daß Glaubensüberzeugungen und Werte der Muslime und Juden - die hierzulande kleine Minderheiten sind - von immer größeren Bevölkerungsteilen anerkannt werden und umfassenden Schutz genießen, christliche Glaubensüberzeugungen, Werte und Symbole dagegen ungestraft verhöhnt, verspottet und beleidigt werden können. So ist ein merkwürdiges Ungleichgewicht entstanden. Christen sehen sich Aggressionen, Provokationen und Tabubrüchen ausgesetzt, ohne dem Einhalt bieten zu können: der Rechtsschutz funktioniert nicht, es erfolgt aber auch keine gesellschaftliche „Abstrafung“ der Täter durch Nachteile, Ausgrenzung etc.

Diese Situation geht zu einem nicht unwesentlichen Teil auf die derzeitige strafrechtliche Regelung zurück. Nach der seit 1969 gültigen Fassung des § 166 StGB wird nur bestraft, wer das religiöse oder weltanschauliche Bekenntnis anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Diese Regelung hat dazu geführt, daß in der Vergangenheit mit wenigen Ausnahmen keine gerichtliche Verurteilung selbst grober Beleidigungen erfolgt ist und die Beleidigungen wiederholt werden können. So wird das Theaterstück „Corpus Christi“, das u.a. das Abendmahl als ein Saufgelage von Homosexuellen darstellt, in Heilbronn weiter aufgeführt und im Oktober in Köln auf eine Bühne gebracht. Die „taz“ konnte im Zusammenhang mit dem Kruzifix-Urteil vom „Lattengustl“ sprechen, die Kölner alternative Karnevalssitzung „Stunk“ nahm dies auf und sprach vom „Balkensepp“ und nannte den gekreuzigten Christus in der Kreuzesinschrift „Tünnes“ (statt InRi).

Aggressionen dieser Art muß man als psychische Gewalt bezeichnen; es muß möglich sein, Schutz vor dieser Gewalt einzufordern. Die CDU/CSU-Fraktion des deutschen Bundestages hat daher im November vorigen Jahres einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Streichung der Einschränkung „die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“ zum Inhalt hat. Um den Politikern aller Parteien zu zeigen, daß die christliche Bevölkerung nicht länger bereit ist hinzunehmen, wenn in den Schmutz gezogen wird, was ihr heilig ist, hat der Bund katholischer deutscher Akademikerinnen eine Unterschriftensammlung initiiert, in der an die Abgeordneten aller Parteien appelliert wird, dem Gesetzentwurf zuzustimmen.

Übergabe der Unterschriften  

Übergabe von mehr als 102.000 Unterschriften an den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Rudolf Seiters, am 24.April 2004 in Berlin, mit denen an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages appelliert wurde, dem Gesetzentwurf zum Verbsserung des Schutzes religiöser Überzeugungen (§ 166 StGB -Strafbarkeit der Blasphemie) zuzustimmen.

Von links: Rudolf Seiters, Dr.Walburga Fischer-Gottlob, Vorsitzende des BkdA, Norbert Geis MdB

Die religiösen Überzeugungen der Bürger und Bürgerinnen tragen zur Bildung des Wertefundamentes unserer Gesellschaft bei. Auch der wertneutrale Staat muß daher ein Interesse haben, diese Werte zu schützen und zu fördern. Eine entsprechende gesetzliche Norm, deren Einhaltung eingefordert werden kann, wirkt bewußtseinsbildend. Auch unsere Demokratie lebt vom Respekt vor den Überzeugungen Andersdenkender. Sie kann aber nur funktionieren, wenn allen Überzeugungen gleichermaßen Respekt gezollt wird. Eine Beseitigung des gesellschaftlichen Ungleichgewichtes in der gesellschaftlichen Respektierung der Religionen ist daher erforderlich. Auch Dialog der Religionen und Kulturen kann nur gelingen, wenn er in einem Klima geistiger Toleranz erfolgt, in dem nicht eine Seite fürchten muß „erschlagen“ zu werden. Zu denken geben muß die Äußerung des Vertreters der Zentralrates der Juden bei der Anhörung zur Novellierung des § 166 StGB; wenn entsprechende Angriffe auf die jüdische Religion erfolgten, möchte er in Deutschland nicht leben.

*) Wer sich daran beteiligen will, kann Listen anfordern beim Bund katholischer deutscher Akademikerinnen, Am Wichelshof 15, 53111 Bonn.

< zurück zur Auswahl