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Idee und Geschichte des Bundes katholischer deutscher Akademikerinnen
Dr.Walburga Fischer-Gottlob

Als 1909 „Winefreda“, der erste katholische Studentinnenverein, in Münster gegründet wurde, ordnete er sich in die lange Tradition der studentischen Gemeinschaften ein. Winefreda war aber auch eine Frucht der katholischen Frauenbewegung, die seine Gründung mit initiiert hatte. So orientierte sich die junge Studentinnengemeinschaft in ihren äußeren Formen und Strukturen an den vorhandenen studentischen Gemeinschaften der Männer, insbesondere an den katholischen Studentenkorporationen. In ihrem geistigen Anspruch fußten sie aber auf den Vorstellungen der katholischen Frauenbewegung über das Frausein und die Aufgaben einer akademisch gebildeten Frauengeneration. In diesem Sinnzusammenhang stehen auch die dann folgenden Gründungen von weiteren 27 Studentinnenvereinen und ihres Zusammenschlusses, des Verbandes Katholischer Studentinnenvereine Deutschlands (VKStD) bzw. - seit 1921 - des Verbandes Katholischer Deutscher Studentinnenvereine (VKDSt). Diese Tradition führt der Bund katholischer deutscher Akademikerinnen weiter - es sind seine Wurzeln. Zwar nicht der äußerern Form nach, wohl aber vom geistigen Anspruch und von den angestrebten Zielen her läßt sich eine gerade Linie zum heutigen Verband ziehen.

Die Gründung der Studentinnenvereine muß man in ihrem historischen Kontext sehen: Lange Zeit galt im 19.Jahrhundert die Universität als glaubensfeindlich und die Kirche als wissenschaftsfeindlich.Führende Persönlichkeiten des katholischen Geistesleben hatten aber gegen Ende des 19.Jahrhunderts erkannt, daß damit eine Abkoppelung von der allgemeinen .geistigen Entwicklung erfolgen würde. So rief Joseph Mausbach, ein zu seiner Zeit sehr bekannter Theologe, Universitätsprofessor in Münster, in einer „flammenden“ Rede 1898 beim Katholikentag in Krefeld die Katholiken dazu auf, „in Studium und Wissenschaft nicht zurückzubleiben“.

Als 1909 in Münster unter Mitwirkung von Mausbach die Winefreda, der erste katholische Studentinnenverein gegründet wurde, war dies auch eine Antwort auf diese Situation. Die Studentinnenvereine sollten Sammelpunkt für Gleichgesinnte sein, geistige Heimat in einer säkularisierten Umwelt. Daher wurde die Gründung von Studentinnenvereinen vom Deutschen Episkopat auch wohlwollend begleitet (siehe Hoppe...). Aber nicht nur Mausbach, auch bedeutende Frauen der katholischen Frauenbewegung haben sich für die Gründung katholischer Studentinnenvereine eingesetzt und sie begleitet. Helene Weber, Hedwig Dransfeld, Gerta Krabbel, Maria Offenberg und Maria Schlüter-Hermkes.
Ihnen und auch den folgenden Studentinnengenerationen war Religion sehr wichtig, wie in vielen grundsätzlichen Formulierungen zum Ausdruck kommt..„Religion im Sinne eines katholischen Christentums erkennt der Verband als wertvollste Grundlage aller Gemeinschaftsbildung und als wichtigsten Inhalt aller Gemeinschaftsarbeit an“ heißt es z.B. in einem Flugblatt des Verbandes VKDSt. Auch die ernsthafte geistige Arbeit und die Pflege der Wissenschaft gehörten zu den Prinzipien des Verbandes. Die Möglichkeiten, die das Studium zu geistiger Bildung erschloß, wurden mit großer Begeisterung begrüßt und in Anspruch genommen Geistige Arbeit sollte dem Wesen der Frau gemäß erfolgen und der dann ausgeübte. Beruf wurde in diesem Zusammenhang nicht als Erwerbsberuf verstanden - dagegen wehrte man sich im gesamten Verband zu jeder Zeit seines Bestehens - sondern als Berufung zum Dienst am Mitmenschen, im Erwerbsleben, im Orden, in der Famile. „Mütterlichkeit wurde dabei als Verhaltensmaxime aufgrund eines in der christlichen Religion verankerten geistigen Mutterseins verstanden.“ Wie die Verbandszeitschrift „Die katholische Studentin“ zeigt, gab es ein lebhaftes geistiges Leben in den Studentinnevereinen, die neben den religiösen Fragen auch immer aktuelle soziale und politische bzw. gesellschaftspolitische Themen behandelten. Bemerkenswert ist auch das soziale Engagement der einzelnen Vereine.. Eine wesentliche Aufgabe sahen der Verband und die einzelnen Vereine in den Gründungsjahren in der Teilnahme am hochschulpolitischen Leben, insbesondere in der Interessenvertretung der katholischen Studenrtin. Dieses Engagement nahm in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts immer mehr ab.

“Einheit der Weltanschauung und Gemeinsamkeit geistigen Strebens“ waren für die Studentinnen „die notwendige Voraussetzung einer weit und tief aufgefaßten Freundschaft“ charakterisiert Maria Ernst , Gründungsmitglied der Winefreda, das dritte Prinzip,das die Arbeit des Verbandes und der Vereine trug.und das oftmals zu lebenslanger Freundschaft führte. Bis zum Beginn der Nazi-Zeit entstanden schließlich 27 Vereine, von denen drei allerdings später wieder mit dem Ursprungsverein fusionierten.

Wie bei den Verbindungen der männlichen Studierenden bildeten die ausscheidenden Mitglieder einen Verein. Die Altmitglieder des Verbandes - man hatte sich für diesen Begriff entschieden, wenn sie nach Abschluß ihrers Universitätsstudiums aus dem aktiven Verein ausschieden - blieben in Kontakt untereinander, „schon allein durch ihre Treue zum aktiven Verein, dem sie angehört haben, tiefer gesehen jedoch infolge der gleichen Ausrichtung ihres Lebens vom Religiösen her und infolgede der gleichen Verpflichtung zu geistiger Arbeit und Führung.“ wie Elisabeth Abele-Uhl in ihrem Bericht über die Gründungsversammlung des BkdA schrieb.. So entstanden nach und nach örtliche Zirkel, die miteinander in Austausch traten. 1932 kam es schließlich zur Gründung des Altmitgliederbundes, der den alten Prinzipien verpflichtet war und in engem Kontakt mit dem aktiven Verband blieb.

In der Nazi-Zeit gerieten die Studentinnenvereine wie die anderen katholischen Vereine unter starken Druck. Der Verband verzichtete aber nicht auf das Katholizitätsprinzip und unterstellte sich dem Konkordat.. Die im Rahmen des Konkordats auszuhandelnde Liste kam aber nie zustande.Da der Druck zunahm, löste sich der VKDSt 1936 - angeblich - auf. Das endgültige „Aus“ kam mit dem Erlaß des Reichsministers des Innern vom 20.Juni 1938, mit dem ein Verbot der katholischen Studenten- und Alltakademikerverbände ausgesprochen wurde. (siehe Bild).Die Altmitglieder kamen aber auf freundschaftlicher Basis örtlich weiterhin zusammen; „denn die Bindung war stärker als aller äußerer Zwang, und die Geborgenheiz in solchem Kreis nötiger denn je“. (Elisabeth Abele -Uhl). Bezeugt ist dies für die Zirkel Freiburg, Berlin, Stuttgart.und das Ruhrgebiet. So wurde die Tradition durch die Altmitglieder bewahrt und weitergetragen.

Die Altmitglieder waren es auch, die nach dem 2.Weltkrieg die ehemaligen Mitglieder sammelten und den Verband wieder aufbauten. Unabhängig voneinander fanden 1949 eine erste Generalversammlung in Münster und 1950 eine Gründungsversammlung in Essen statt. Man fand aber bald zusammen, und so wurde 1951 wieder zu einer Generalversammlung eingeladen, bei der die Frage nach der zeitgemäßen Form eines Zusammenschluses katholischer Akademikerinnen thematisiert wurde. Man kam zu dem einmütigen Ergebnis, „daß uns heute ein großer, umfasender katholischer Akademikerinnebund nottut „(Abele-Uhl) So faßte die Generalversammlung den Beschluß, den Verband für alle katholischen Akademikerinnen zu öffnen und sich umzubennnen in „Bund katholischer deutscher Akademikerinnen“. Für eine Mitgliedschaft war also nicht mehr Voraussetzung, einem Studentinnenverein angehört zu haben. Damit wurde die Umwandlung in einen modernen Frauenverband vollzogen.

Das Konzept dieses neugestalteten Verbandes war wie bisher stark von religiösen Motiven geprägt: In dem Beschluß zur Wiedergründung heißt es: „Die Aufgaben des neuen Bundes sind: Er soll Zelle sein, in der sich die zu apostolischem Wirken bereiten fraulichen Kräfte sammeln, erneuern und von der sie ausgehen, kämpfend und dienend, in der Welt, im Beruf und in der menschlichen Gemeinschaft. Er dient der Vertiefung des religiösen Lebens. Er soll, bewußt des besonderen Auftrags und der Verantwortung vor Gott, die katholische Akademikerin in der Öffentlichkeit wirksam vertreten und so zur Rechristianisierung der Welt beitragen.“. Wenige Jahre nach dem Krieg, noch unter dem Eindruck der Nazi-Herrschaft, sah man sich vor allem dem inneren Wiederaufbau einer christlichen Gesellschaft verpflichtet. Auch damals schon galten Atheismus und Materialismus als Gefahren für eine christliche und damit humane Gesellschaft. Auch auf den folgenden Generalversammlungen - als junge Frau habe ich an einer Reihe davon teilgenommen - hat die Sorge um den Bestand des christlichen Glaubens und ein christliches Leben für die Mitglieder jener ersten Jahre eine große Rolle gespielt.

Die christliche Motivation war also unverändert, wenn man sie mit den alten Zielen vergleicht. Das geistige Profil des neuen Verbandes unterschied sich aber dennoch nicht unerheblich von dem des VKDSt. Erstmals wurde der Anspruch formuliert, die katholischen Akademikerin (nicht nur die Studentin) in der Öffentlichkeit zu vertreten. Die den Verband nun tragenden fertigen Akademikerinnen sahen sich zudem verpflichtet, ihre qualifizierte Ausbildung zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen und ihren Beitrag zur Lösung der großen Probleme ihrer Zeit zu leisten. Dieser Aspekt des Selbstverständnisses wurde von den führenden Frauen des BkdA immer wieder zum Ausdruck gebracht. Maria Jacobi MdB, die von 1972 bis 1981 den Verband als 1.Vorsitzende führte, faßte diesen Gedanken in der Formulierung zusammen: „Wir sind nicht privilegiert, sondern verpflichtet.“

Die veränderte Auffassung schlug sich 1983 in einer Satzungsänderung nieder, die nun den Verband verpflichtete, aktiv in allen Bereichen der Gesellschaft im christlichen
Sinne zu wirken Es gab keine Begrenzung auf die Frauenanliegen, man sah vielmehr eine Verantwortung für das Ganze: für das Gemeinwesen und für die Kirche. Das Bewußtsein für die Bedeutung der Frauenfrage hatte sich inzwischen aber geschärft, so daß gleichzeitig nun der Einsatz für die Anliegen der Frau in die Satzung aufgenommen wurde - an zweiter Stelle, hinter dem Einsatz für Glaube und Kirche. Das Eintreten für Rechte und Chancen der Frauen in Kirche und Gesellschaft wurde zugleich als wesentliches christliches Anliegen interpretiert: die Gleichgeordnetheit der Geschlechter als Ausdruck der Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau gesehen, gleichberechtigtes miteinander Leben und Wirken von Mann und Frau als christliches Gesellschaftsmodell benannt So bemüht sich der Verband nun, die Sache der Frauen in allen Lebensbereichen voran zu bringen. Die alte Rangordnung, die Priorität des Religiösen ist nach wie vor Leitlinie auch für alle Aktivitäten im weltlichen Bereich.

Für die Kirche zu wirken, dafür einzutreten, daß Glaube und Kirche nicht aus unserer Gesellschaft verschwinden, war immer wieder und unter vielen Aspekten Thema des Verbandes, bei den Generalversammlungen und anderen Zusammenkünften, in der Verbandszeitschrift, in Stellungnahmen und Äußerungen. Dabei ging es einerseits um die Teilhabe an Ämtern und Funktionen, andereseits um die Möglichkeit, auch außerhalb der Ämter an der Gestaltung des Lebens in der Kirche mitzuwirken.

Die Priesterweihe für Frauen hatte aber keine Priorität für den BkdA. Konsens bestand und besteht jedoch seit vielen Jahren darüber, für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen einzutreten. So hat der Verband 1976, 1981 und 1992 sich in Briefen und Stellungnahmen an die Deutschen Bischöfe gewandt mit der Bitte, sich dafür einzusetzen, daß Frauen nicht nur auf dem Aufgabenfeld der Diakone tätig sein dürfen sollten, sondern daß sie dies auch mit der Kraft des Amtes tun dürften. „Aus welchem Grunde sollte man den Frauen , die in dieser Arbeit stehen, Gnaden, die Männern zugänglich sind, vorenthalten ?“ schrieb Maria Jacobi 1976 in einem Brief an alle Bischöfe der Bundesrepublik, und 1981 hieß es in unserer Stellungnahme, daß Männern die Gnaden der Weihe zufließen, während Frauen im Gegensatz dazu auf den Beistand es heiligen Geites verwiesen würden, der ohnehin immer da sei. Gerade den engagierten Frauen unseres Verbandes wäre es wichtig gewesen, aus der Vollmacht des Amtes und dem Auftrag der Kirche handeln zu können, und nicht nur aus ihrer Fachkompetenz.

Frau Jacobi hatte damals auch geschrieben: „Katholische Frauen sollten das Bewußtsein haben können, daß sie gleichwertig und gleichberechtigt mit Männern sind nach dem Willen Gottes, der in der Heiligen Schrift - im alten und neuen Testament -niedergelegt ist„ Dieses Bewußsein zu haben war damals schwer, denn der CIC von 1917 war so frauenfeindlich wie das BGB von 1900.Zu dieser Situation haben wir mehrfach Stellung genommen, u.a. in einer Generalversammlung mit dem Bonner Kirchenrechtler Professor Hubert Müller Nach dem Inkraftreten des CIC von 1983 haben wir uns für die Umsetzung der Rechte der Frauen in der Kirche eingesetzt: für mehr Frauen auf theologischen Lehrstühlen, für Meßdienerinnen, vor allem auch für die Berufung von Frauen an die kirchlichen Gerichte, deren Hauptarbeit die Verfahren zur Auflösung kirchlich geschlossener Ehen ist. In solchen Verfahren sollten Frauen nicht einer geschlossenen Phalanx von Männern (auch wenn sie prinzipiell wohlwollend eingestellt sind ) entgegentreten müssen, sondern Wahlmöglichkeiten haben. Unsere Briefen an
alle residierenden deutschen Bischöfe, in der wir darauf hingewiesen haben, daß die durch den neuen CIC eröffneten Möglichkeiten gerade auch in Bezug auf die kirchliche Gerichtsbarkeit genutzt werden sollten, fanden erfreulicherweise durchweg eine positive Resonanz. Auch eine entsprechende Veränderung im Personalgefüge der Gerichte ist wahrnehmbar.

Für den wachsenden Bereich der Mitwirkung von Laien - sei es hauptamtlich oder ehrenamtlich - spielt ebemfalls eine große Rolle, wie man Frauen bewertet, ob man ihnen Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung zuerkennt. So haben wir immer wieder zu Fragen der Anerkennung von Frauen und ihrer Arbeit in und für die Kirche Stellung genommen - auch mit Berufung auf denCIC (Can. 202 §§ 2 und 3), der den Gläubigen das Recht und die Pflicht zuspricht, die Hirten zu ermahnen..Die Bischofssynode zu „Berufung und Sendung der Laien“ haben wir zum Anlaß genommen, den die deutsche Kirche in Rom vertretenden Bischöfen darzulegen,dass Inkulturation des Evangeliums auch bedeutet, das Evangelium in jedem Land entsprechend seinem Entwicklungsstand zu leben. Wenn in Deutschland Frauen in Ämtern akzeptiert werden, muß man nicht warten, bis alle Länder der Welt diesen Entwicklungsstand ebenfalls erreicht haben.
Wir haben unsere Anliegen an unsere Hirten - wie wir meinen - stets angemeseen herangetragen, nicht aggressiv, sondern argumentativ und sind - unserem Eindruck nach - auch so akzeptiert und wahrgenommen worden.

Nach der Satzungsänderung 1983 hat für den Verband die Aktivität im politischen und gesellschaftspolitischen Bereich eine zunehmende Rolle gespielt. Ein breites Spektrum aktueller Fragen wurde behandelt: Abtreibung,Abtreibungspille, pränatale Diagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Humangenetik und andere Fragen der Bioethik, aber auch die gesellschaftspolitischen Fragen des grundgesetzlichen Schutzes von Ehe und Familie (Art. 6 GG) , Fragen der sozialen Sicherung, besonders der nichterwerbstätigen Frau, das Ehegattensplitting, das Anti-Dskriminierungsgesetz, die Berufsnot junger Akademikerinnen, Hochschulfragen und immer wieder die Vereinbartkeit von Familie und Beruf. Dabei ging es stets auch um das Leitbild der Frau. Wir haben es ausdrücklich als unsere Aufgabe angesehen, die christlichen Wertvorstellungen in das in der Gesellschaft wirksame Leitbild hineinzutragen. Zwar sind wir immer für die Emanzipation der Frau eingetreten, die auch für katholische Frauen, und erst recht für katholische Akademikerinnen wesentlich ist; sie darf aber nicht auf Kosten der Schwächeren gehen, insbesondere der Kinder, der alten und der kranken Menschen; sie muß sich auch am Lebensrecht der Schwächeren und der Unterprivilegierten orientieren. In den letzten Jahren hat dann auch die Auseinandersetzung mit dem theoretischen Feminismus stattgefunden, wofür uns Hanna Barbara Gerl- Falkovitz, seit der Wiedervereinigung Professorin an der TU Dresden, zur Verfügung stand.

Hochschulfragen, ein Betätigungsfeld zu dem wir als Verband von Akademikerinnen eine besondere Affinität haben, wurden und werden in unserer Zeitschrift stets ausführlich thematisiert. Dabei ging es uns um die Weitergabe von Informationen zu den Entwicklungen im Bereich der Hochschulen und insbesondere um die Chancen von Frauen im Hochschulbetrieb. Wichtig war uns ferner die Situation der jungen Akademikerinnen, die Stellennot vor allem der Geisteswissenschaftlerinnen und natürlich immer wieder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die besondere Verpflichtung, die der BkdA gegenüber den Studentinnen in der Satzung 1983 formulierte, versuchte der Verband mit einem besonderen Bildungsangebot einzulösen. Seit den 80er Jahren gibt es für Jungakademikerinnen (Studentinnen und Berufsanfängerinnen) besondere Seminare zu beruflichen religiösen, gesellschaftspolitischen und politischen Themen. Diese Seminare sind ein offenes Angeobt, d.h. zugänglich auch für nicht dem Verband angehörige junge Frauen. Ein Teil von ihnen ist aber stets in den Verband nachwächst. Gerade von den jungen Frauen gingen immer wieder auch Impulses für die Arbeit des Verbandes aus.

Öffentliche Stellungnahmen, Resolutionen, Briefe an den Bundeskanzler,Minister, Abgeordnete und andere Entscheidungsträger, Mitarbeit in den Gremien des kirchlichen und des säkularen Bereichs, vor allem im Deutschen Fraudenrat und in den regionalen Zusammenschlüssen der Frauenverbände, waren die Mittel, mit denen wir uns in die allgemeine Diskussion einbrachten, aber auch Medienarbeit in den verschiedensten Formen, da ihr für die Meinungsbildung ein außerordentlicher Stellenwert zukommt. .
Hierzu gehört natürlich auch die Arbeit unserer Zeitschrift, die sich nach innnen, an die Mitglieder, richtet und zugleich Sprachrohr nach außen, in die Gesellschaft, ist.
Sehr engagiert haben wir uns schließlich nach der Wiedervereinigung für das Zusammenwachsen der so lange getrennten Teile Deutschlands und die Integration der Frauen.. Sehr bald nach der Öffnung der Grenzen haben wir den BkdA in Veranstaltungen den Frauen aus denneuen Bundesländern vorgestellt und zu unseren Tagungen eingeladen. Vom Frauenministerium der Bundesregierung unterstützt haben wir in den ersten 10 Jahren ein umfangreiches Programm politischer Bildung umgesetzt.

Aus der Begegnung mit den Frauen aus den neuen Bundesländern erwuchs unser Befragungsprojekt „Christliche Frauen in der Auseinandersetzung mit dem SED-Staat“. Nach den Methoden der Oral History haben 20 ehrenamtliche Interviewerinnen ca 100 Interviews durchgeführt, in denen nach den Erlebnissen und Erfahrungen als christliche Frau in der Diktatur gefragt wurde. Erste Ergebnisse stellt Dr. Sonja Ackermann in dem Beitrag zu dieser Festschrift vor. Mit der Dokumentation der Erfahrungsberichte soll der Beitrag der christlichen Frauen zum Widerstand gegen den atheistischen Staat „DDR“ für die nachwachsende Generationen festgehalten wird. Der BkdA hat mit diesem Projekt sein Selbstverständnis geändert: mit dem Oral-History-Projekt sind wir zum ersten mal über den engeren Rahmen der Verbandsarbeit hinausgetreten.

Als allgemein-gesellschaftliche Aufgabe haben wir auch die 2001/2002 durchgeführte Unterschriftenkampagne zur Unterstützung der Gesetzesinitiative der CDU/CSU zurÄnderung des § 166 StGB, der die Strafbarkeit der Blasphemie regelt, betrachtet. .Dabei haben wir evangelische und katholische Christen mobilisiert, mit ihrer Unterschrift an die Politiker zu appellieren, für einen angemessenen Schutz auch der christlichen Glaubensüberzeugungen zu sorgen. Die mehr als 102.000 Unterschriften, die bei der Unterschriftenaktion zusammenkamen, haben eindrucksvoll demonstriert, wie stark in der christlichen Bevölkerung der Wunsch ist, daß das 2. Gebot „Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen“ nicht länger mit Füßen getreten werde, ohne daß Sanktionen möglich sind. Auch diese Aktion hat für den BkdA einen besonderen Stellenwert: der Verband ist damit erstmals in einr größeren Öffentlichkeit hervorgetreten.

Überblickt man nun die Themen und Aktvitäten der letzten 50 Jahre, so erkennt man deutlich, daß zu allen Zeiten der Einsatz für Glauben und Kirche an erster Stelle stand und daß man wie zur Zeit der Gründung aus christlicher Motivation einen Beitrag zur Lösung der Probleme der Zeit leisten wollte. Dies wird auch der Maßstab für die Zukunft bleiben: Wir dürfen uns nicht heraushalten, sondern sind gefordert, Stellung zu beziehen. und unsere Kräfte und unsere Sachkompetenz zum Wohle der Gesellschaft einzubringen. Basis all dessen war und ist der gemeinsame Glaube, der die Gemeinschaft trägt.

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